Diskussionsabend zu Jugend- und Gewaltschutz im Netz
„Wer von Ihnen war in der letzten Woche in sozialen Medien unterwegs? Wer hat in der letzten Woche künstliche Intelligenz genutzt?“ – Auf beide Fragen meldet sich eine große Mehrheit des Publikums in Michendorf. Digitale Medien sind in unseren Alltag eingezogen. Doch sie bringen auch neue Herausforderungen im Schutz von Kindern, Jugendlichen und Frauen mit sich.
Das wird deutlich als Katharina Uharek-Langhanke aus ihrer Arbeit bei der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg berichtet. Ihre Aufgabe ist es, Kinder- und Jugendschutz im Netz durchzusetzen. Das heißt zum Beispiel Volksverhetzung oder Holocaustleugnung von den Plattformen zu löschen und dafür zu sorgen, dass Pornografie für unter 18-Jährige im Netz nicht zugängig ist. Das passiert mittlerweile auch mit der Unterstützung von KI.
Inara Shirmann berät Frauenhäuser zu digitaler Gewalt. Sie warnt vor Tools wie GPS-Trackern, die Frauen und Kinder, die vor Gewalt Schutz suchen, gefährden. Auch Videocalls oder geteilte Inhalte können Aufschluss über ihren Aufenthaltsort geben.
Was muss die Politik tun?
Die Themen Cyberstalking und sexualisierte Deepfakes geht die aktuelle Bundesregierung mit dem digitalem Gewaltschutzgesetz jetzt an, erklärt Carmen Sinnokrot. Die Digitalpolitikerin ist Vorsitzende des Forum Netzpolitik der SPD Berlin.
Der grüne Europapolitiker Dr. Sergey Lagodinsky meint, dass Europa sich gute Spielregeln gegeben hat. Er wirbt dafür, sie nun auch ambitioniert umzusetzen. Süchtig machende Funktionen und Algorithmen in Sozialen Medien z. B. endloses Scrollen müssten für alle abgeschafft werden. Kinder und Jugendliche aus der Teilhabe an sozialen Medien auszusperren, wie es der von der Europäischen Kommission vorgeschlagene KIDS Act vorsieht, lehnt er ab. Auch, weil sich dann alle im Internet identifizieren müssen.
Da ist Carmen Sinnokrot sich mit ihm einig. Einig ist sich die Runde auch darin, dass mehr und bessere Medienbildung braucht. Die dürfe sich auch nicht nur auf Kinder und Jugendliche beschränken. Frau Uharek-Lahanke lädt alle ein, die eigene Medienkompetenz im Newstest der Medienanstalt zu prüfen. Mit Verve setzt sich Frau Sinnokrot für dritte Orte wie Büchereien, Jugendclubs und Dorfkneipen ein, um attraktive Möglichkeiten für Begegnungen außerhalb von sozialen Medien ermöglichen und bekommt dafür viel Applaus.
Im Anschluss an die Podiumsdiskussion gab es viele interessierte Fragen und engagierte Wortbeiträge aus dem Publikum: Von der Medienbildung in der Schule über die Liebe zu Fakten bis hin zur Manosphere im Internet. Vielen Dank an alle Diskutant*innen für den aufschlussreichen Abend!
Wenn Sie sich weiter zum Thema informieren wollen
Unsere Expertinnen haben uns freundlicherweise eine Linkliste zur Verfügung gestellt:
Zum Einreichen vermuteter Rechtsverstöße gegen den Kinder- und Jugendschutz im Netz
https://www.mabb.de/regulierung/beschwerden
Newstest der Medienanstalt Berlin-Brandenburg zum Testen der eigenen Medienkompetenz
Portal der mabb für Medien und Informationskompetenz mit allen wichtigen Förderprojekten, Workshops und Angeboten
Allgemeine Informationen rund um das Thema Jugendmedienschutz
Aktuelle Reports zu Trends und Phänomenen im Bereich Jugendmedienschutz
Portal für Demokratiebildung, Mediensicherheit und Medienkompetenz mit Materialien für Lehrkräfte etc.
Homepage Frauenhauskoordinierung e.V. – Frauenhauskoordinierung
https://www.frauenhauskoordinierung.de
Fachkräfteportal der Frauenhauskoordinierung „Sicher gegen digitale Gewalt“